Samstag, 17. September 2011

Du kannst einen Elefanten festhalten, wenn er fliehen, aber nicht das kleinste Haar auf deinem Kopf, wenn es fallen will...

Ein Thema, welches auch eine große Rolle spielt. So wie viele wohl wissen, verliert man während einer Chemotherapie seine Haare. 
Das Gefühl sich die eigenen Haare ab rasieren zu müssen, ist wirklich nicht zu beschreiben. Klar, Haare sind nur Haare, aber trotzdem fühlt man sich ohne Haare irgendwie nicht fertig angezogen.
Seid meiner allerletzten Chemotherapie sind jetzt knapp 2 Jahre und 3 Monate vergangen. Als meine ersten Stoppelchen da waren, konnte ich mich gar nicht genug am Kopf streicheln.
Man muss dazu sagen, dass ich lange Zeit echt regelmäßig zum Friseur gerannt bin um mir meine Haare in Form schneiden zu lassen. Das heißt ich bin lange mit einer Kurzhaarfrisur rumgelaufen. Über die Zeit haben sich soooo viele Bilder angesammelt und wenn ich alle durchschaue, merke ich, wie extrem "lang" meine Haare doch geworden sind. 
Ich stelle hier jetzt einfach ein paar Bilder zusammen, die mit der Zeit entstanden sind und auf denen man erahnen kann, wie toll sie wirklich gewachsen sind^^




Das war vor meiner Therapie. Habe meine Haare immer schulterlang getragen. Entschuldigt mein Aussehen, ich war 13.
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Als die Haare dann weg waren, habe ich mir anfangs ein Tuch um den Kopf gebunden, doch nachdem ich mich an den Anblick gewöhnt hatte, lief ich "oben ohne" herum. Vorteile gab es im Übrigen auch. Das Haarewaschen konnte ich mir sparen^^ 












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Ich hatte auch 2 Perücken zu Hause, mit denen ich mich manchmal ein wenig normaler gefühlt habe. Sie waren eine Hilfe für eine bestimmte Zeit, aber ich bin echt froh, dass ich sie ganz hinten in meinem Schrank vergraben konnte.







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Wegen der Mütze kann man hier nicht viel erkennen, aber da war meine Mähne ca. 1-2 cm lang. Weich, pflegeleicht und blond. (September 2009)



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Anfangs kamen die Haare total undicht und man konnte immer die Kopfhaut durchsehen. Als sie dann eeeeendlich dicht waren, konnte ich zu Haargel und Haarspray greifen. Haare waschen, föhnen und stylen ging immernoch ziiiiemlich fix, aber die Länge hat mich total genervt, da ich mit meinen Haaren immer meine Ohren bedecken wollte, weil ich Besitzerin von wundervollen Dumbo-Ohren bin.






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Jaaaaaaa, dann hatte ich ein Pony, und konnte irgendwas mit Klämmerchen wegstecken. Man konnte echt sagen, dass ich eine Frisur hatte!
Diese Länge hat mir ganz gut gefallen, aber es gab einen Haken.
Bei so einer Länge, wächst die Frisur nach ca. 1-2 Monaten so raus, dass es echt ungepflegt aussieht. Also rannte ich wirklich ziemlich oft zum Friseur, obwohl ich doch endlich lange Haare haben wollte. Ich konnte nichteinmal einen Zopf machen. Es hat mich wirklich genervt, bis ich mich dann entschlossen habe einfach nicht mehr zum Friseur zu gehen. Das habe ich eine Weile ganz gut ausgehalten, sodass der letzte Friseurbesuch echt schon 7 Monate zurückliegt aber siehe her ich kann einen Zopf binden und die Haare wachsen so langsam in Richtung Schulterlänge.


Freitag, 9. September 2011

Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt. Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt.

So, man kann jetzt wirklich sagen, dass die Sommerferien so langsam zum Schluss kommen. Das letzte Wochenende in den Ferien ist angebrochen und somit muss man sich bereit machen. - Bereit machen für's frühe Aufstehen, Lernen, Freunde wiedersehen, für's letzte Schuljahr auf der Realschule. -ENDLICH-

Ist echt irgendwie merkwürdig erst jetzt den Realschulabschluss zu machen, aber dank dem Krebs ging das ja nicht anders. Bin sozusagen 2 Jahre hinterher, das eine Jahr habe ich mir selbst zuzschreiben und das weitere Jahr habe ich eben meiner Krankheit zu "verdanken".


Ich merke es immer wieder. Ich komme mit den kleinen Krankheiten meiner Mitmenschen nicht zurecht. Nunja, nicht ganz Krankheiten, sondern die Beschwerden über die Krankheiten.
Beispielsweise wird mithilfe einer Operation ein Bruch im Arm gerichtet. Das machen die Ärzte, damit der Patient in absehbarer Zeit keine Beschwerden mehr hat. Sie operieren den Arm, damit das Leben in ein paar Wochen wieder normal weitergehen kann. 
Wenn sich bei einem Krebspatienten der Tumor jedoch im Arm befindet, versuchen die Ärzte den Arm sogut wie möglich zu erhalten. Sie operieren diesen Arm, damit der Patient überlebt und eine Chance auf ein möglichst normales Leben hat. Manchmal geht es schief und der Arm kann nicht erhalten werden, manchmal geht es schief und der Patient bezahlt mit seinem Leben.
Jetzt stellt sich doch immer die selbe Frage: Wo bleibt die Gerechtigkeit im Leben?
Wieso darf sich jemand über kleine Narben beschweren, die unter einem T-shirt wieder verschwinden?
Auf der anderen Seite lernt ein 13-jähriges Kind das Laufen mit der neuen Prothese, nachdem ihm das Bein amputiert wurde.
Ich bin einfach sprachlos bei diesem Thema. Sprachlos, enttäuscht und voller Fragen, die mir wahrscheinlich nie jemand beantworten kann.





Samstag, 3. September 2011

Wenn du aus dem Loch hinauswillst, solltest du vorallem mal zu graben aufhören

Überleg mal du bist 14 und ein Arzt sagt dir, dass du Krebs hast. Wie machst du da weiter?“            (Grey’s Anatomy, Staffel 4)



Dieses Zitat stammt aus meiner Lieblingsserie.

Wer weiß schon, was manche Menschen an dieser Arztserie so fasziniert. Vielleicht stellt man sich so den Krankenhausalltag vor. Sind es die hübschen Oberärzte, die spannenden Fälle, die Liebesgeschichten der Assistenzärzte, die schwierigen Operationen, die den Menschen das Leben retten.

Das Blut, welches meterweit durch die Gegend spritzt, die Patienten, die im Kernspintomographen einen Anfall bekommen oder die Operationen, die manche Menschen wieder zum Leben erwecken.

Da haben die Autoren einfach das Thema „Liebe“ mit irgendwelchen Krankheiten kombiniert und scheinbar hat es ziemlich gut geklappt.



Momentan gibt es keine „spannenden“ Krankenhausgeschichten zu erzählen –Gott sei dank.

Irgendwie ist das Leben jetzt ziemlich normal, wer auch immer „normal“ definieren kann. Der Sommer neigt sich dem Ende und ich kann sagen, dass ich keinen besseren Sommer hätte haben können.
Wir <3 Sonnencreme


Ich gehe brav alle 3Monate zur Nachsorge, lasse ein paar hübsche Röntgenbilder schießen, lasse mir Blut abzapfen und gehe dann mit unauffälligem Befund wieder nach Hause.

Ich kann es immer wieder sagen: Ich möchte mein jetziges Leben nie wieder gegen ein Leben mit Krebs, Chemotherapie und Glatze eintauschen.




Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.