Samstag, 9. Juli 2011

wer nicht mehr will - der hatte schon genug

Nachdem ich mich wieder "erholt" hatte, hatte ich noch ca. 4 Chemoblöcke vor mir. Doch 2 davon waren mein "geliebtes"MTX. Die Chemo, die mich fast mein Leben gekostet hätte.


Ich war zu Hause und lebte irgendwie vor mich hin, mit dem Gedanke, dass der ganze Scheiß bald ein Ende hätte. Total unvorstellbar, dass ich es irgendwie doch bin dahin geschafft hatte.
3 Wochen erholte ich mich und war dann bereit für meine Chemo. Doxorubicin war an der Reihe. Bei dieser Chemo musste ich bloß 2 Tage auf der Station verbringen und durfte dann nach Hause gehen. 48 Stunden tropfte das rote Gift in mich hinein und es ging mir so gut, dass ich sogar HUNGER hatte. Dieses Gefühl gab es damals eigentlich gar nicht. 
Als ich dann aber zu Hause war, ging die Übelkeit los und ich umarmte die Kloschüssel stundenlang.


Ich war dann letztendlich bei meinen letzten 3 Chemos angekommen. Ich hatte 15 geschafft und musste noch jämmerliche 3 hinter mich bringen. Bei meiner vorvorletzten Chemo weinte ich soviel wie in der gesamten Therapiezeit zusammen. Ich hatte Angst, dass ich dieses MTX nicht mehr überstehen würde und dass es mir diesmal wieder einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Meine Mama pfefferte mir zum ersten Mal, in dieser langen Zeit, ihre Meinung. "Es könne ja nicht wahr sein, dass ich bei meinen letzten 3 Blöcken so kaputt ginge. Ob ich jetzt heulte oder nicht, war der Chemo so ziemlich egal. Ich sollte mich raffen, die Zähne zusammenbeißen und einfach nur noch knapp einen Monat durchkämpfen". 


Kurz gesagt ist fast alles gut gegangen. 24Stunden nach der Chemo bekam ich einen kleinen Krampfanfall, den die Ärzte aber nach wenigen Minuten wieder im Griff hatten. Das MTX machte das Magnesium im Körper kaputt, sodass meine ganze Muskulatur im Körper verkrampfte und ich sogar kaum atmen konnte. Von dem Moment an, war Magnesium mein täglicher Begleiter!
Es waren nur noch 2!!!!!! Das letzte Mal in meinem Leben (hoffentlich) bekam ich die rote Chemo, von der es mir zu Hause so schlecht ging. 
Doch diese Zeit ging ja auch irgendwie rum und dann war DER Tag gekommen, an dem ich meinen letzten Giftcocktail bekommen sollte. 28Juni 2009.
Ich fühlte mich wie Gott als ich diesen Krankenhausgang entlang spazierte. ICH, Lilia, war fast fertig und konnte bald wieder anfangen zu leben. Ich könnte mir bald meinen Kopf über ganz andere Sachen zerbrechen.
In meinem Zimmer lag ein Mädchen, das ungefähr so alt wie ich gewesen sein müsste. Sie lag in ihrem Bett und weinte vor Übelkeit. Sie tat mir so unendlich leid, dass sie grade mit mir im Zimmer liegen musste, weil ich meinen letzten Chemoblock so feierte. Bei dieses Chemo war mein Papa zum ersten Mal mit dabei. Egal wer in mein Zimmer reinkam bekam von meinen Eltern zu hören, dass es DIE Chemo sei. Dafür hätte ich meine Eltern einfach ohrfeigen können, denn schließlich hatte ich diese Chemo noch nicht überlebt. Ich bekam sie am Nachmittag angehängt. Sie lief 4 Stunden. Mir war wieder so elendig, doch es ging gut. Ich saß in meinem Zimmer, auf diesem Bett und füllte meine Brechschalen. Nicht nur mit Mageninhalt, sondern vorallem mit Tränen. Ich heulte wie ein Kleinkind. Aber nicht vor Traurigkeit, sondern vor Freude, Stolz und Erleichterung.
Ich war, nach 9 Monaten Intensivtherapie, endlich am Ende angekommen. Nicht nur ans Ende meiner Kräfte, sondern auch endlich ans Ende dieses Chemotherapie. Nie wieder Doxorubicin, Cisplatin oder MTX. 
3 Tage später war ich zu Hause und erholte mich. Ich erholte mich nicht um zur nächsten Chemo antreten zu können, sondern ich erholte mich für's Leben. Ich erholte mich knapp 6 Wochen, die ersten Stoppeln auf meinem Kopf erschienen und ich brachte die Abschlussuntersuchungen hinter mich.
Ich sah zwar immernoch aus wie ein Alien, doch solangsam fühlte ich mich wieder gut. 
Jeder, der mich in dieses Zeit einfach hängen lassen hat, konnte sehen, wie "gut" ich doch alleine klargekommen bin.




Es war Sommer, ich war wieder da, ich musste mich auf die Schule vorbereiten, doch wie sollte ich als "psychisches Wrack" einfach in die Schule gehen können?
Ich hatte also noch 4 Wochen Kur vor mir, die mich, mehr oder weniger, auf mein neues Leben vorbereiten sollte.

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