Donnerstag, 23. Juni 2011

Tumor ist, wenn man trotzdem lacht.

So dann hatte ich das, auf was ich tagelang gewartet hatte. Vielleicht hatte ich da auch Glück im Unglück, denn während ich mein Ergebnis schon nach weniger als 2 Wochen in den Händen halten konnte, dauerte es bei den Anderen manchmal Jahre, bis man überhaupt wusste, was Sache ist.
Da saßen dann meine Eltern, zwei Ärzte und Ich in diesem Behandlungszimmer, irgendwo ganz hinten in der Orthopädie. Ab da musste ich mir anhören wie mein Knochenkrebs behandelt werden sollte, was es für Möglichkeiten gab, wie lang die Therapie dauern würde, dass die Therapie kein Spaziergang wird, dass meine Haare ausfallen werden, dass ich andere unangenehme Nebenwirkungen haben werde, dass ich nicht in die Schule gehen dürfte, dass keine Haustiere erlaubt waren, dass die Chemotherapie in den nächsten 48 Stunden starten sollte.
Ab da ging dann alles ziemlich schnell und ehe ich mich versah, lag ich am nächsten Tag schon stationär. Grade frisch aufgewacht von einer kleinen Operation, bei der mir ein Port eingepflanzt wurde, über den ich die nächsten 9 Monate meine Chemo bekommen sollte. Die Chemo hing schon am Infusionsständer.
Ich weiß noch ganz genau, was für einen riesen großen Hunger ich hatte.

An diesem Tag stand Lasagne auf der Krankenhaus-Speisekarte. Meine Mama versuchte alles um mich davon abzubringen diese Lasagne zu essen und ich wünschte ich hätte auf sie gehört. Ich aß also genüsslich und wusste ja noch nicht, dass mir von der Chemo so übel werden würde. Gefühlte 2 Stunden später übergab ich mich so, wie noch nie in meinem Leben. Mir war so unglaublich schlecht, ich war geschockt dass das alles von dieser Chemo kommen sollte, die so unscheinbar an meinem Infusionsstänger hing. Seit diesem Tag kann ich keine Lasagne mehr riechen.
Am nächsten Tag lernte ich Selina kennen. Ich war erstaunt wie "gechillt" sie in ihrem Bett rumsaß und an ihrem Laptop rumtippte. Selina ist jemand, den ich niemals vergessen werde, denn sie überredete mich zum Essen und erzählte mir, dass ich die ganze Sache locker angehen sollte. Ich hatte Krebs, aber wenn ich dann noch heulen würde, würde mich das ja kein Stück weiterbringen. 
Mir war zwar total schlecht, aber trotzdem bestellten wir abends irgendwas bei dem wohl schlechtesten Lieferservice dieser Erde.Wir aßen zwar brav auf, aber lange hielt sich das nicht in meinem Magen. 
Sie wurde am nächsten Tag entlassen und ab da hörte ich nicht mehr wirklich was von ihr. Ich wusste, dass sie zum zweiten Mal einen Rückfall hatte, aber ab da sah ich sie nie wieder.
Ich hatte in dieser Zeit insgesammt 6 Tage Krankenhausaufenthalt und die Chemo setzte mir so ziemlich zu und ich war froh, dass ich irgendwann wieder zu Hause war und noch ein wenig mit meinen Freunden unterwegs sein konnte, bis meine Blutwerte dann in den Keller stürzten.

Juhu, 2 Wochen später bekam ich dann auch schon meine erste Bluttransfusion. Während diese Thrombozyten in mich reintropften, fasste ich in meine Haare. Da man ja nicht schon genug im Stress war, verabschiedeten die sich jetzt auch noch. Zu Hause angekommen mussten die Haare dran glauben. Haare ab - Perücke drauf. Ich hatte mir damals eine Perücke bestellt, mit der ich eigentlich ziemlich zufrieden war. Sie hatte nichts mit meiner alten Frisur zu tun, aber ich wollte schon immer mal lange Haare haben, also warum nicht.
Ich mit meiner unechten Mähne ;)


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